Transhumanismus, KI und wie wir uns selbst evolutionieren.
- 30. Okt. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 19. Apr.
Das Silicon Valley ist ein faszinierender Ort. Hier versammeln sich die klügsten Köpfe der Tech-Industrie, aber auch die Weisesten?
Heute Morgen, beim Kaffee mit mir und der Welt, habe ich darüber nachgedacht, was mich aktuell in Bezug auf die rasante Entwicklung von KI so nervös macht. Ganz persönlich natürlich, dass mein Job (wie so viele) angezählt ist. Aber es ist auch etwas, das mich rein menschlich beschäftigt. Denn es braucht, wie wir wissen, Weisheit, um Intelligenz nicht zu missbrauchen – egal ob künstlich oder menschlich.
Nun sagen einige beruhigend: Es sind nur LLMs, datenverarbeitende Systeme ohne echtes Bewusstsein. Sie sind (noch) nicht intelligent. So what? Wenn ich mir den Kapitalismus anschaue, dann sehe ich zwar das Intelligenz, aber nicht Weisheit die Führung hat. Die Maschinerie muss laufen – mit oder ohne Mensch. Hier liegt in meinen Augen das Problem. Es kann nur gelöst werden, wenn wir uns selbst weiterentwickeln. Soviel ist klar. Doch wohin?
Wie könnte eine weise Entwicklung aussehen? Schauen wir uns die älteste und bei weitem weiseste Entwicklung an: Nature Intelligence.
Die Welt ist für mich eine organische Superintelligenz. Sie entstand vor Milliarden Jahren. Ihre Schöpfung war weise: ein in sich stimmiges System, das alle Lebewesen energetisch vernetzt und symbiotisch miteinander koexistieren lässt. Kein Müll, der nicht biologisch abgebaut wird. Keine Energie, die nicht biologisch erzeugt werden kann. Alles in Synergie und ursprünglich im Gleichgewicht. Zudem gab sie der Welt Zeit zu wachsen und sich in Ruhe zu entwickeln. Ein weises Meisterwerk: Aus Leben wird Sterben, aus Sterben Leben.
Nur ein kleine Unberechenbarkeit steckt auch hier. Die Schöpfung begrenzte die Fähigkeiten aller Lebewesen und stimmte sie fein aufeinander ab. Nur einem Wesen gewährte sie freien Willen, ohne strenge Regularien. So gesehen waren unsere Vorfahren die ersten Self-Learning-Models. Vielleicht wollte die Schöpfung einfach etwas Spannung, Spaß und Spiel. Wer weiß. Doch vielleicht hatte sie in all ihrer Weisheit auch nicht bedacht, dass freier Wille zu Gier führen kann. So kam, was kommen musste: Homo erectus nutze das Feuer. Erzeugt es selbst. Seitdem ist viel passiert.
Wo früher Bäume standen, stehen heute Beton und Glas. Wo einst Artenvielfalt herrschte, herrschen Maschinen. Wir Menschen sind zum Schöpfer geworden und evolutionieren uns fröhlich selbst.
Ein spannendes Thema in diesem Zusammenhang: der Transhumanismus.
Transhumanisten möchten menschliche Grenzen durch Technologie überwinden – von kognitiver Leistungssteigerung über Krankheitsvermeidung bis hin zu potenzieller Lebensverlängerung. Die Vision reicht von Gehirn-Computer-Schnittstellen (wie Neuralink) über genetische Optimierung bis hin zu Prothesen, die menschliche Fähigkeiten übertreffen. Eliten im Silicon Valley und weltweit investieren Milliarden in Forschung zu Langlebigkeit, Biohacking und Künstlicher Intelligenz.
In den Medien wird Transhumanismus teils als Randphänomen oder Verschwörungstheorie abgetan. Doch die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass wir uns als Gesellschaft dieser Realität unaufgeregt, aber aufmerksam widmen sollten.
Unaufgeregte Beobachtung statt emotionaler Instrumentalisierung.
Ich bin keine Expertin auf diesem Gebiet und schon gar keine Hellseherin. Aber ich bin 100 % Mensch und versuche, eine Welt zu verstehen, die sich schneller verändert, als mein biologisches Selbst wachsen kann.
Here we go: Mit Chip-Implantaten zum besseren Menschen?
Bereits heute werden in Schweden und den Niederlanden RFID- oder NFC-Chips freiwillig unter die Haut implantiert. Zum Beispiel für kontaktloses Bezahlen oder Zugangssysteme. Die gesellschaftliche Debatte darüber bleibt hoch umstritten. Kritiker warnen vor Kontrollverlust, Datenschutzrisiken und einer schleichenden Erosion menschlicher Autonomie.
Doch was macht uns Menschen auch in Zukunft menschlich und autonom? Und wann werden wir zu Ausschussware?
Die Verschmelzung von Mensch und Maschine könnte eine neue „Gattung Mensch“ hervorbringen, technisch augmentiert, mit erweiterten kognitiven, physischen und sensorischen Fähigkeiten. Dies beleuchtet anschaulich Yuval Noah Harari in seinem Buch: Homo deus.
Welche Weisheit braucht es?
Das ist die Frage, die mich wirklich umtreibt. Nicht ob KI kommt – sie ist da. Nicht ob wir uns verändern werden – wir tun es bereits. Sondern wer die Regeln schreibt. Und für wen. Im Moment sind es vor allem weiße, privilegierte Männer im Silicon Valley. Klug. Ehrgeizig. Visionär. Aber weise? Wohl kaum. Zumindest nicht bei der Entwicklung von KI. Deshalb brauchen wir mehr Stimmen am Tisch. Frauen und Männer anderer Kulturen. Mit anderen Perspektiven. Menschen, die nicht fragen „Was ist möglich?", sondern „Was ist richtig?" Sehr interessant dazu: die Vorträge der IWE Bonn zu AI Ethics from the Majority World und auch die Seite Indigenous AI.
Inspiriert von: Yuval Noah Harari – Homo Deus · Mo Gawdat – Scary Smart · Geoffrey Hinton · Sven Gábor Jánszky / 2b AHEAD


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